Skip to content

Im Dialog mit Matthias Krage von Stayalive

von Sonja Greye am 17.12.2010

… über Facebook für Tote und Helmut Markwort

Stayalive – der Gedenkstein im Social Web, hat in den letzten Wochen die Menschen polarisiert. Wir berichteten in unserem Blog kürzlich erst über das “Facebook für Tote”. Gründer ist Matthias Krage, ein Internetunternehmer aus Taufkirchen bei München. Er studierte Betriebswirtschaft und ist seit über zehn Jahren in der Internetbranche tätig. Für sein neues Projekt konnte er Helmut Markwort, ehemals Chefredakteur des Focus, gewinnen.

Wir haben Matthias Krage zu seinem Projekt befragt.

DFKOM: Herr Krage, was war Ihre Motivation, Stayalive zu gründen?

Krage: Wir alle führen, ob gewollt oder ungewollt, ein ‚digitales’ Leben. Immer mehr unserer Daten finden sich auch im Internet – und wir haben bisher keinerlei Kontrolle über das, was nach unserem Tod von uns im Internet erhalten bleibt. Diese Grundüberlegung führte zu Stayalive – und damit der Möglichkeit vor dem Tod zu bestimmen, was nach dem Tod im Internet über einen selbst erhalten bleiben soll.

DFKOM: Was unterscheidet Stayalive von ähnlichen Anbietern am Markt?

Krage: Bei anderen sehen wir aktuell nur einzelne Bausteine von Stayalive – im Wesentlichen Todesanzeigen im Netz. Stayalive kann aber viel mehr. Bei uns können Sie die Gedenkstätte schon zu Lebzeiten befüllen, sich mit Freunden und Verwandten verknüpfen, einen Stammbaum anlegen und sogar für den eigenen Tod vorsorgen: Der Tresor erlaubt Ihnen die Hinterlegung von wichtigen Dokumenten, die im Todesfall an bestimmte E-Mail Adressen versandt werden.

DFKOM: Wieso ist Stayalive kostenpflichtig? Was passiert mit den 499 EUR bei lebenslanger Mitgliedschaft, wenn Stayalive in 10 Jahren nicht mehr existieren sollte?

Krage: Wir bieten eine ganze Reihe von Diensten, die auch bei andern Anbietern kostenpflichtig sind: etwa die Speicherung von Dokumenten in einem geschützten Bereich, oder einen Stammbaum. Und obwohl Stayalive sehr viel mehr kann, als eine Todesanzeige in der Tageszeitung sind wir deutlich günstiger – und bieten Pakete ja bereits ab € 19,99 an. Das 499 Euro wird viel mehr bieten, als nur eine nicht begrenzte Laufzeit.

DFKOM: Wie ist Ihrer Auffassung nach das sensible Thema “Tod und Trauer” mit dem „Fun“ Charakter eines sozialen Netzwerks zu vereinbaren?

Krage: Wir sehen uns als Vorsorge, aber auch als „Erinnerungsportal“ an. Und die Erinnerung an liebe Menschen ist ja weniger etwas Trauriges als oftmals auch etwas Schönes. Daher haben wir uns für ein neutrales Layout entschieden – also weder Fun, noch Trauer.

DFKOM: Stayalive ist auf Facebook vertreten. Welche Social Media Strategie verfolgen Sie für Stayalive und wie hilft Ihnen Helmut Markwort dabei?

Krage: Der Social Media Gedanke ist einer der Kerne unseres Projekts – so können Sie sich zum Beispiel mit Gedenkstätten befreunden, ganz so, wie Sie es von den Lokalisten, StudiVZ oder Facebook kennen. Helmut Markwort unterstützt uns vor allem bei der Adaption dieses Gedankens an eine nicht so interneterfahrene Generation, die wir mit Stayalive ja auch ansprechen.

Herr Krage, haben Sie vielen Dank für das Interview.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Bewertungen, Durchschnitt: 4,25 out of 5)
Loading ... Loading ...

Kommentieren

Kommentare als RSS Feed abonnieren

retaggr