Skip to content

Social Military und Bundeswehr 2.0

von Sonja Greye am 15.02.2011

Das Web 2.0 lebt von ungefilterter und schneller Kommunikation. Wie passt das mit dem Militär zusammen? Nach den Vorkommnissen mit Wikileaks, nämlich der illegalen Beschaffung und Veröffentlichung etlicher militärischer Dokumente, schränkte die US- Armee den Internetzugang für Soldaten drastisch ein und erließ ein Verbot für Twitter und Co. Anfang dieses Jahres wurden jedoch die Social Media Guidelines überarbeitet und in Form eines Handbuchs neu herausgegeben. Aktivitäten im Web 2.0 sind nun wieder erlaubt, wenn z.B. bestimmte Privatsphäre-Einstellungen vorgenommen werden.

Während in Ländern wie den USA der Umgang mit Social Media eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint und  in den Streitkräften fest verankert ist, ist man hierzulande eher noch zurückhaltend. Man fürchtet den Kontrollverlust über die externe Kommunikation. Hinzu kommt, dass in militärischen Organisationsbereichen viele Informationen aus guten Gründen als “Verschlusssachen” klassifiziert sind. Das müssen Angehörige der Streitkräfte bei der Kommunikation in sozialen Medien ebenso berücksichtigen wie die Tatsache, dass sie Repräsentanten einer zentralen Organisation des Staates sind. Das galt früher für das Bild, das Soldaten in Zügen oder Fußgängerzonen hinterlassen und das gilt heute für das Bild, das sie in Social Media hinterlassen. So kann die fragwürdige Darstellung eines Soldaten auf Facebook auf das Image der ganzen Bundeswehr abfärben.

Social Media Guidelines

Das skizzierte Problem existiert aber nicht nur für das Militär, sondern auch für zivile Unternehmen. Dort gibt es Verschlusssachen in Form von Betriebsgeheimnissen. Und wenn Mitarbeiter Firmeninterna auf Facebook oder Twitter veröffentlichen, ist jeder Chef mindestens verärgert. Auch zivil- oder sogar strafrechtliche Tatbestände können dabei erfüllt sein. Um den Mitarbeitern hier Sicherheit zu bieten, erlassen Unternehmen wie SAP und andere Social Media Guidelines. Eine juristische Betrachtung solcher Richtlinien haben wir in unserem Blog bereits vorgenommen. Diese Regeln sind i.d.R. nicht dazu da, Beschäftigten den Umgang mit sozialen Medien zu verbieten. Sie setzen allerdings Grenzen und geben Hilfestellungen, etwa bei den Privatsphäre-Einstellungen. Es handelt sich um klare Spielregeln, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss.

Bundeswehr goes PR 2.0

Die Bundeswehr selbst ist seit kurzem in sozialen Medien vertreten. Es gibt einen YouTube Kanal , auf dem sich mit Videos zum Thema Ausbildung, Karriere, Einsatz, Familie, Aktuelles und Bundeswehr allgemein informiert werden kann. Weiterhin gibt es Fotostrecken bei Flickr und einen Twitter Account mit knapp 2.000 Followern. Die Facebook Seite der Bundeswehr hat sogar über 11.000 Fans. Junge Interessenten bis 21 Jahre können sich in einer Bundeswehr Community registrieren und in den direkten Dialog treten. Mit diesen PR Maßnahmen im Web 2.0 sind die Streitkräfte sicherlich auf einem guten Weg, mit ihren Bezugsgruppen zu kommunizieren und eine Art Gegenpol für negativ Schlagzeilen zu bilden. Aber was ist mit jedem einzelnen Soldaten? Ein Handbuch für Social Media Guidelines wie das der US-Armee gibt es in der Bundeswehr bislang nicht. Allerdings gibt es Weisungen, an die sich Soldaten halten müssen, die auch ihr Verhalten im Web 2.0 betreffen.

Fazit
Social Media und Militär passen sehr wohl zusammen. Denn auch hier finden interne und externe Kommunikation statt. Das Umfeld der Öffentlichkeitsarbeit hat sich verändert und daran muss auch die eigene Strategie angepasst sein. Gerade wenn man wie die Bundeswehr oft auch unfreiwillig in den Schlagzeilen ist, darf man diese Entwicklung nicht ignorieren. Mit Social Media hat man zudem die Möglichkeit, Krisenmanagement zu betreiben und in externe Kommunikationsprozesse einzutreten. Die Bundeswehr hat nun einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Nun sollten zeitnah Social Media Guidelines erarbeitet werden, die dann flächendeckend innerhalb der Bundeswehr Anwendung finden. Somit können kleine Fehltritte, die eine große Wirkung haben, noch besser vermieden werden.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 out of 5)
Loading ... Loading ...
2 Kommentare
  1. Mittlerweile sind es bei Facebook sogar schon 12.000 Fans! Dennoch muss ich dir widersprechen! Bei Twitter, Flickr, Facebook und Youtube ist die Bw nun ja schon eine Weile und dennoch ist nicht erkennbar, dass eine Entwicklung stattfindet. Also man hat bspw. bei Youtube eine wirklich ansprechende Seite gestaltet und dennoch verzichten die Verantwortlichen komplett auf den Dialog. Bei allen genannten Plattformen beschränken sich die Redaktionen auf das Veröffentlichen, also Ein-Weg-Kommunikation. Das wahre Potenzial vom Web2.0 nämlich Dialog mit den Fans wurde scheinbar noch immer nicht verstanden. Mich nervt das einfach nur noch. Mein Twitter-Account wird zugemüllt vom BundeswehrRSS Feed, bei dem die Motivation zum Klicken von Tweet zu Tweet abnimmt. Und die Video-Beiträge bei Youtube können mit zivilen Redaktionsteams kaum mithalten.
    Ich befürchte also, dass solange sich hier nichts ändern wird, wir als Soldaten auch noch sehr lange auf Richtlinien warten dürfen.

    Übrigens habe ich auch eine Begründung dafür! Solange wir als “junge, aufstrebende und motivierte” Soldaten im Kommunikationsbereich keine Berücksichtigung bei der Besetzung von Dienstposten erhalten und die “Älteren” weiterhin versuchen, dass Internet auszudrucken, wird sich wohl oder übel nichts ändern.

    Beste Grüße

  2. Meines Wissens (und laut Auskunft des Verteidigungsministeriums von 12/2010) handelt es sich um keine offiziellen Präsenzen der Bundeswehr auf Facebook (anders als bei Twitter und YouTube).

    Hierzu auch ein Artikel zum Thema (mit ähnlichem Titel, aber früher entstanden):

    infsocblog.org – The Information Society Blog
    “Die Augen geradeaus: Social Military?” (05.12.2010)
    http://www.infsocblog.org/2010/12/die-augen-geradeaus-social-military/

Kommentieren

Kommentare als RSS Feed abonnieren

retaggr